Owei, ein Zahnarztbesuch

Dass der Lausbub sich viele Sachen nicht zutraut, ist keine Neuheit. Dennoch erreichte meine Erstaunung jetzt den Höhepunkt, als es um das Thema Zahnarztbesuch ging.

Vorgeschichte:

Vor 3-4 (!!!) Monaten berichtete der Lausbub uns zum ersten Mal von einem Loch im Zahn. Daraufhin sprach der Herzensmann mit der Lausbubmama, die ihm direkt klar machte, dass das beim Lausbub ein riesiges Theater gäbe. Da wir den Lausbub allerdings nur alle 14 Tage am Wochenende haben, und es davon auch keine Ausnahmen gibt, konnten wir da wenig tun. Die Lausbubmama schlug allerdings vor gemeinsam (also der Herzensmann und sie) mit dem Lausbub zum Zahnarzt zu gehen (hat er sich wohl gewünscht!). Der Herzensmann willigte ein und dabei blieb es erst einmal.

Zwischendurch fragte ich den Lausbub immer mal wieder, ob er denn beim Zahnarzt gewesen sei. Fehlanzeige! „Die Mama vergisst das immer!“, „Ich will da nicht hin!“, „Das Loch tut doch gar nicht weh“, waren die Antworten. Naja, da kann ich als Feindin der Lausbubmama und Lebensgefährtin vom Lausbubpapa nicht wirklich was dran tun. Tat ich dann auch nicht. Schließlich saß der Herzensmann ja jedes Mal daneben, wenn wir das Thema hatten.

So verging die Zeit… 

 …. bis letzte Woche.

Es sind Herbstferien und der Lausbub ist von Mittwoch bis Samstag hier. Kurz bevor der Herzensmann ihn abholt, bekommt er von der Lausbubmama mitgeteilt: „Ach übrigens, am Donnerstag hat der Lausbub mit mir zusammen einen Zahnarzttermin. Sei bitte um 16 Uhr da!“

Naja, über den Zeitpunkt des Termins kann man sich nun streiten, aber zumindest ist einer da und zum Wohle des Lausbuben ist das erst einmal die Hauptsache!

Heute:

Die Anspannung war dem Lausbuben schon den ganzen Tag anzumerken. Beim Mittagessen besprachen wir noch, wie so ein Zahnarztbesuch abläuft und dass das im Kopf so komisch „rumpelt“, aber eigentlich gar nicht schlimm ist. Besonders nicht, wenn der Zahn ja nicht weh tut.

Alles schien soweit in Ordnung, Attacken gab es jedoch keine.

BIS ZU DEM MOMENT VOR DER ABFAHRT:

„Nein, ich putze meine Zähne nicht!“, „Beim letzten Mal hab ich Sie auch nicht putzen müssen!“, „Ist mir doch egal, ob der Zahnarzt mein Mittagessen sieht!“, „Aus dem Mund riechen ist doch viel besser!“ 

Erst Bocken, dann heulen und es dann doch machen. Das ist die typische Lausbubstrategie und so putzte er heulend seine Zähne (was ein Glück, dass er wir elektrische Zahnbürsten haben).

Danach ging die Heulerei richtig los „ICH HAB ABER ANGST!“ 

Nun sind der Herzensmann und der Lausbub unterwegs. Zurück bleibt nach vielen Hasstiraden und Beschimpfungen in der Vergangenheit für mich ein blödes Gefühl, weil der Herzensmann mit der Ex zusammen ist und außerdem ein Gefühl des „nicht dazu gehörens“. Vater, Mutter, Kind (Familie) sind zusammen (und wenn es nur ein doofer Zahnarztbesuch ist) und ich (fühle mich wie eine Geliebte) sitze hier und warte brav, bis der Herzensmann wiederkommt. Ich weiß, dass diese Gedanken totaler Blödsinn sind, aber ich kann sie einfach nicht abschalten, vor allem, weil ich selbst keine Familie habe. Einen Partner, aber keine Familie. 

Stattdessen mache ich mir Gedanken, woher diese Angst wohl kommen könnte. Vor allem, da es der   Frau Wundertoll ja auch nicht besser zu gehen scheint.  Bildschirmfoto 2014-10-16 um 16.25.42https://twitter.com/FrauWundertoll/status/522721647284224000

https://twitter.com/FrauWundertoll/status/522719789211328513

Und ihr Fräulein hat nachweislich bisher keine schlechten Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht.

ALSO WOHER KOMMT DIESE ANGST???

Klar, bohren ist nicht schön und ich kenne niemand, der sagt „Au ja, hätte ich jetzt mal Lust zu!“ Aber es gibt ja einen Unterschied zwischen „Naja, es wird nicht angenehm, aber ich stehe es durch!“ und „Oh nein, ich hab solche Angst, dass ich den Mund nicht aufmache und nur noch heule!“

Hierbei möchte ich natürlich keine Schuldzuweisung machen, sondern einfach nur versuchen den Lausbuben zu verstehen (Wieso will ich das eigentlich? Ich darf doch eh nicht mit zum Zahnarzt!)

Im Internet habe ich folgende Möglichkeiten und Lösungswege gefunden:

1. Das Kind hat schlechte Erfahrungen gemacht: Viele Internetseiten raten dazu bei den ersten Besuchen das Kind nur die Praxis kennen lernen zu lassen, ohne dass wirklich etwas gemacht wird. Es soll festgestellt werden, ob das Kind eine Vertrauensbasis zum Zahnarzt aufbauen kann. Es soll Fragen stellen und auch vielleicht ein paar Dinge austesten dürfen (Wie geht der Bohrer an? Wo ist der Knopf fürs Waschbecken usw.). (Wow, ob das die Zahnarztpraxen mitmachen?)

2. Die Angst der Eltern hat sich auf das Kind übertragen: Auch viele Erwachsene haben Angst vorm Zahnarzt und äußern dies auch zu Hause (stimmt, der Lausbub hat mir gesagt, dass die Lausbubmama auch Angst vorm Zahnarzt hat – ACHTUNG – dies ist keine Schulzuweisung). Es wird geraten das Kind zum eigenen Zahnarzttermin mitzunehmen, damit es zusehen kann und sieht, dass eine solche Behandlung gar nicht so schlimm ist. Natürlich müssen dann gerade Eltern mit Zahnarztangst stark sein. Aber vielleicht kann es ja auch mal bei Opa/Opa, Onkel/Tante dabei sein. 

3. Falsche Vorbereitung: Es wird dringendst davon abgeraten dem Kind zu sagen, dass die Behandlung nicht weh tun wird (OH!), denn dadurch könnte man das Vertrauen zu Kind verlieren, wenn es doch weh tut (und das Bohren bzw. die Spritze wird dem Kind unter Umständen sehr weh tun). Allerdings sollte man schon mit dem Kind über den Ablauf der Behandlung sprechen, damit es weiß, was auf es zu kommt. Besonders schön fand ich auch die Idee das Kind ein Kuscheltier mitnehmen zu lassen. Bei kleineren Kindern kann erst das Kuscheltier behandelt werden und bei Größeren ist es dazu da Trost und Kraft zu spenden. Eine Internetseite empfahl bei Angstpatienten Bachblüten-Rescue-Tropfen. Ich selbst bin ein großer Freund dieser Tropfen, da sie mir schon oft geholfen haben, würde dies dennoch mit dem Zahnarzt vorher absprechen, um Wechselwirkungen mit dort verabreichten Medikamenten zu vermeiden.

4. Der falsche Zahnarzt: Wichtig ist, dass das Kind dem Zahnarzt vertraut, denn schließlich wird er es in einem Bereich untersuchen und behandeln, der zum einen sehr empfindlich ist und an den nunmal nicht viele Leute (vor allem keine Fremden) ran kommen. Schließlich war der Mund in der oralen Phase (die Phase in der Babys alles in den Mund stecken) ihr Schlüssel zur Welt, in der es alleine entschieden hat, wer oder was hinein kommt. Doch nun ist es fremdbestimmt.

und nun mein ganz persönlicher Punkt

5. Verwöhnung: Ok, dies ist kein direkter Punkt, der als Grund für Angst steht, aber ich hoffe ihr werdet im folgenden verstehen, warum ich diesen hier mit aufnehme. Als Lehrerin treffe ich sie immer wieder: Die antiautoritären Eltern (wobei ich mit autoritär keinesfalls Prügelstrafen meine, sondern einfach nur eine gewisse Art von Konsequenz und Strenge). Was ich meine ist die „Mein Kind muss nichts machen, was es nicht will“- Pädagogik. Und ich denke das kann auch zu solchen Dramen führen. Denn welches Kind will (!) denn schon zum Zahnarzt. Nur wie soll das klappen, wenn das Kind nicht gewohnt ist auch ab und zu mal das zu tun, was Mama oder Papa sagt. Solche Eltern gibts leider. „Ich möchte für mein Kind ein Freund sein“, hörte ich noch letztens einen Vater zu mir sagen, dessen Junge regelmäßig den Unterricht verweigert und geht und kommt, wann er will. Klar, muss es nicht direkt so extrem sein, aber meine ehrliche Meinung ist, dass es solche Eltern durch den Wandel der Familienstruktur, in der immer mehr Eltern alleinerziehend sind, immer häufiger auftauchen. Natürlich möchte ich an dieser Stelle nicht sagen, dass alle alleinerziehenden Eltern Versager sind (AUF KEINEN FALL!), aber es fällt doch auf, dass gerade in Familien, in denen das Kind nur mit einem Elternteil aufwächst der Nachwuchs automatisch auf die Stufe eines gleichberechtigten Erwachsenen gehoben wird, Dinge entscheiden und mitentscheiden darf, welche normalerweise zwischen Erwachsenen geregelt werden. Und ein solches Kind soll dann auf einmal zum Zahnarzt, wo es sich doch sonst im Leben die Rosinen rauspicken und machen darf, wozu es Lust hat und nichts machen muss, was ihm nicht gefällt? Dass in diesem Fall der Konflikt vorprogrammiert ist, steht für mich fest. Aber wie oben schon erwähnt. Dies ist mein persönlicher Punkt und entstammt keiner Recherche. Ihr dürft gerne anderer Meinung sein. Jede Meinung ist in den Kommentaren herzlich Willkommen.

Und nun seid ihr dran?

Haben eure Kinder Angst vorm Zahnarzt?

Habt ihr Tricks/Tips wie es trotzdem klappt?

Kennt ihr weitere Gründe, die zu Zahnarztangst bei Kindern führen könnten?

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3 Gedanken zu „Owei, ein Zahnarztbesuch

  1. Frau Zweifachmama (@Zweifachmam)

    Hui… ich hoffe der Lausbub ist fix wieder da und es geht ihm gut.

    Zu deinen Fragen: Meine Kinder gehen tatsächlich gern und angstfrei zum Zahnarzt. Beide waren das erste Mal mit, als sie ungefähr ein halbes Jahr waren, gemacht wurde nichts, nur geschaut (wobei es beim Mini noch nicht viel zu sehen gab, er hatte noch keine Zähne). Von da an sind wir im Halbjahresrhythmus gegangen.Vor unserem Umzug waren wir mal bei einem offiziellen Kinderzahnarzt (google mal Kidsdoc Berlin), aber seitdem wir auf dem Dort wohnen, gehen wir allesamt zum selben Zahnarzt. Mittlerweile hat der alte Zahnarzt die Praxis an einen jüngeren übergeben, aber nach wie vor ist das gesamte Team toll.

    Großkind geht seit einem Jahr auch allein in den Behandlungsraum, ich werde dann nur dazu geholt. Letztens wurde sein erster Milchzahn gezogen, da dieser nicht wackeln wollte, direkt dahinter aber der neue Zahn schon recht gut rauskam. Das ließ er völlig ruhig mit sich machen.. Erst Spritze dann ziehen. Kind verzog nicht mal ansatzweise das Gesicht.
    Minikind findet das witzig, wenn der Zahnarzt bei ihm nachschaut.

    Von Anfang an bin ich übrigens mit den Kindern gegangen. Mein Mann hat(te) Angst vorm Zahnarzt, von Kindesbeinen an – damals war beim ersten Besuch sein Vater mit… (ein Angstkandidat!) . Meine Schwiegermutter hat das lange bereut.
    Daher kann ich diese Theorie „Übertragung der Angst“ durchaus stützen.

    Gefällt 2 Personen

    Antwort
  2. Pingback: Zum ersten Mal mit dem Kind beim Zahnarzt - ERGO Direkt Blog

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