Ein Tag im Schwimmbad 

Heute waren wir das erste Mal seit über einem Jahr mit dem Lausbub wieder im Schwimmbad. Dies lag vor allem daran, dass der Lausbub zu dieser Zeit noch große Probleme mit dem Duschen hatte und JEDES MAL (und das nicht nur gefühlt) das ganze Schwimmbad zusammenbrüllte, nur weil er die Haare waschen sollte. 
Dies lief nämlich zu dieser Zeit noch so ab, dass der Lausbub zu Hause in der Badewanne saß und ein GROßES Handtuch (ein Waschlappen reichte da nicht aus) um seine Augen legte und hinter dem Kopf zusammenhielt, damit auch jaaaaaaa kein Wasser ins seine Augen kam. Dass man mit dieser Methode den Hinterkopf nicht waschen konnte, war ihm ziemlich egal. Im Schwimmbad scheiterte diese Methode, da er erstens beim Haarwaschen nicht sitzen konnte und es zweitens keine bewegliche Brause gibt, welche man in die Hand nehmen kann und unter der Schwimmbaddusche saugt sich ein Handtuch natürlich direkt voll und verfehlt somit seinen Zweck. 
Mittlerweile ist dieses Verhalten zum Glück Geschichte, denn der Lausbub duscht nun seit ca. 1/2 Jahr ohne Probleme alleine im stehen, ob mit ablösbarer oder mit fester Brause (bitte denkt euch hier ein lautes Aufatmengeräusch). Daher haben wir unser versprechen von vor einem Jahr heute wahr gemacht. Denn wir hatten damals zu ihm gesagt, dass wir erst wieder mit ihm schwimmen fahren, wenn er alleine und ohne Gebrüll duschen kann (so wie sich das für einen mittlerweile 8jährigen auch gehört).
In der Schule hat der Lausbub mittlerweile Schwimmunterricht und durch die Erfahrungen, welche er auf dem Campingplatz dieses Jahr mit uns gemacht hat (ihr erinnert euch vielleicht, dass ich berichtete, dass er alleine mit einem Reifen um den Bauch schwamm), traut er sich nun auch mehr zu. So fuhren wir heute morgen voller Hoffnung auch mal ein wenig schwimmen zu können, anstatt nur auf der Treppe des Kinderbeckens zu sitzen oder den Lausbub auf dem Arm durch das Becken zu tragen (denn so lief es noch vor einem Jahr ab) ins nahe gelegene Hallenbad. 
Dort wartete der erste Fall von „DENKSTE!“ auf uns. Denn der Lausbub steuerte geradewegs auf das Kinderbecken zu, in dem das Wasser dem Herzensmann und mir mal gerade so bis zur Hüfte geht. In diesem wimmelte es zu dieser Zeit nur so von Kleinkindern mit Schwimmärmchen, Reifen, Luftmatratzen und ihren Eltern. Also „schwimmen“ ging hier so null Komma null gar nicht, selbst wenn wir uns mit der geringen Wassertiefe angefreundet hätten.

„Hier kann man doch gar nicht schwimmen, komm wir gehen ins Schwimmerbecken“ versuchte ich den Lausbub zu ermutigen. „Nein, das ist mir zu tief! Da kann ich nicht schwimmen. Ich kann nur hier schwimmen!“, war seine Antwort. Schwimmen? Zur besseren Vorstellung klickt bitte hier und ersetzt die Erwachsenen in euren Köpfen durch 3-5jährigen bewaffnet mit oben beschriebenen Gummischwimmhilfen und den dazu gehörenden Eltern und ihr habt die Situation im Kinderbecken heute morgen. Puuuhhhh !!! Ok, neue Taktik. Die „hier kannst du doch gar nicht richtig schwimmen-Taktik“ hatte nicht funktioniert. 
Plan B: Mitleid erregen: „Du, wenn der Papa und ich die ganze Zeit am Beckenrand oder im Wasser sitzen, wird uns kalt. Wir würden auch gerne ein wenig schwimmen.“. Das klappte !!! Zumindest zum Teil. „Ok, dann gehen wir ganz hinten in das Becken. Da kann ich auch schwimmen.“ Ein Fortschritt (wenn auch ein kleiner). Das Becken, was der Lausbub meinte ist das, nennen wir es mal, Familienbecken. Es gibt unterschiedliche Tiefen, einen Strudelkreisel, für die Kinder Poolnudeln und Schwimmbretter, Düsen und einen Massage-Wasserfall. Schwimmen war hier auf jeden Fall teilweise möglich, wenn nicht gerade jemand im Weg stand, denn Bahnen gibt es hier natürlich nicht und so läuft, schwimmt und rudert jeder kreuz und quer. Aber immerhin konnten der Herzensmann und ich so auch ins Wasser und mit dem Lausbub wenigstens ein paar Meter hin und her schwimmen. „Nein, das möchte ich nicht, ich hab da Angst.“, tönte es schon wieder, als ich vorschlug mal zum Strudel zu gehen. „Moment mal. Da bist du, als du vier warst schon auf dem Arm mit uns dadurch. Warum hast du denn jetzt Angst davor?“ – „Weiß ich nicht. Da war ich ja auch vier.“ Ääähhhmmm, Logik?!? Hallo?!? – „Aber man wird doch mutiger, wenn man älter wird, nicht ängstlicher“ (dass das nicht stimmt, sollte ich bald am eigenen Leib erfahren.). Schließlich traute er sich doch und war – wie das so oft mit Kindern ist – gar nicht mehr aus dem Strudel wegzubekommen. An meinen Rücken geklammert ließen wir uns eine Runde nach der anderen treiben und ich machte Späßchen für den Lausbub (tat so als sei die Düse zu stark und ich würde abgetrieben, beschleunigte und verlangsamte das Tempo nach Lust und Laune, hüpfte, tat so als wolle ich ihn abschütteln usw.). Der Lausbub hatte einen Heidenspaß!!! 
Doch ich wäre nicht ich, wenn ich mit damit zufrieden gegeben hätte, denn SCHWIMMEN war DAS ja auch noch nicht ganz. Also blieb ich dran. „Komm wir probieren das mal drüben. Im vorderen Bereich ist es auch nicht tiefer als hier. Wir sind ja bei dir und können ja auch jederzeit wieder zurück gehen…“ Irgendwann gab der Lausbub nach. Entweder, weil ihm mein Gequatsche auf den Nerv ging oder weil ich ihn wirklich überzeugt hatte und ab da wurde es ein richtig schöner Schwimmbad-Besuch. 

Zuerst stellte ich mich 1-2 Meter vor den Lausbub, der am Rand hing und er stieß sich ab und kam zu mir getrieben. Dann ging ich nach und nach immer einen Schritt mehr zurück, sodass der Lausbub nun mit jeder Runde ein kleines Stückchen mehr schwimmen musste. Das machte er wirklich super. Als ich nun soweit hinter der Treppe stand, dass er das Geländer nicht mehr so einfach mit ausgestrecktem Arm erreichen konnte, vereinbarten wir, dass er nur zu mir schwimmt und ich mit ihm auf dem Arm dann zurück zur Treppe gehe. Darauf ließ er sich ein und schwamm nun noch weiter. Ich war richtig stolz auf ihn und feuerte ihn sogar an „Super, das schaffst du, gleich bist du da, noch ein kleines Stück!“ Süß war seine Reaktion nachdem ich das 2-3 Mal gemacht hatte. „Bitte mach das nicht, weil dann freue ich mich und konzentriere mich nicht mehr richtig aufs Schwimmen.“ Ok, also war ich im Stillen stolz und feuerte nicht mehr an. 
Nachdem ich nun meinen Willen bekommen hatte und der Lausbub mehr als die Hälfte des Nichtschwimmerbereiches in einem durchschwommen hatte, gingen wir rutschen. Denn auch das ist etwas, was der Lausbub sich nun seit geschätzten 1-2 Monaten traut. 

Als wir das letzte Mal mit ihm dort waren, war daran noch nicht zu denken (noch nicht einmal auf dem Schoß sitzenden). Dabei ist das Becken in das man hineinrutscht mit 55cm Wassertiefe echt human und die Rutsche ist weder wirklich steil noch schnell. Aber naja. So ist das mit dem Lausbub halt. Wir hatten auf jeden Fall alle drei viel Spaß beim Rutschen und der Herzensmann und ich versuchten die beste Technik herauszufinden, wie man doch ein wenig Speed bekommt, während der Lausbub einfach nur Spaß am Rutschen selbst hatte. Alle waren zufrieden. 
Nach dem Rutschmarathon (wir waren bestimmt 6-7 Mal nacheinander drauf, mussten erst einmal die Mägen gefüllt werden. 
Frisch gestärkt und nach einer kurzen Entspannung im Whirlpool, blitzten schon wieder neue Ideen in mir auf. „Komm, lass uns mal raus gehen“ (es gibt ein beheiztes Becken, welches nach draußen führt. Natürlich erntete ich wiedermal wenig Begeisterung vom Lausbub. „Das ist mir zu kalt und zu tief.“ Doch wieder siegte die Beharrlichkeit und mit Lausbub an meinen Rücken geklammert, marschierten wir ins Außenbecken (was natürlich nicht kalt war). Es hat schon etwas besonderes im Herbst draußen schwimmen zu gehen. Hier war es nicht so laut, roch nicht nach Chlor und das bisschen Wind, was wehte, störte uns auch nicht. Während der Lausbub, immer mit einer Hand am Rand“ Tauchübungen machte, fand er ein Stück Gummischlauch, welcher auf dem Boden des Beckens lag (so wie ein abgeschnittenes Stück Gartenschlauch) und uns in der kommenden halben Stunde als wunderbare Spielzeug diente. Zuerst tauchten der Lausbub und ich danach. Für mich warf der Lausbub das Stück Schlauch weit ins Becken und für ihn legte ich es in der Nähe des Randes auf den Beckenboden (stehen konnte er hier nicht, denn das Wasser hatte eine Tiefe von 1,50m. So dass er richtig tauchen musste). Dann warfen wir uns das Stück zu. Auch der Herzensmann spielte mit und der Lausbub hatte den größten Spaß daran es erst ein Stückchen untergehen zu lassen, um es dann während des Sinkens zu „ertauchen“. 
Danach folgte Rutschmarathon Nr. 2 und ein erneuter Besuch im Strudel. Als es dann um den Massage-Wasserfall ging, erstaunte mich der Lausbub. „Nein, davor hab ich Angst! – Ok!“ Was? Wie? Ich hatte doch noch gar nicht angefangen zu argumentieren. Ok – und los !!! Eine erneute Erfahrung für den Lausbub und ein erneuter Spaß. 
Nur zum abschließenden Springen ins tiefe Wasser, brachte ich ihn nicht. Dazu muss ich aber auch sagen, dass ich nicht wirklich versucht habe ihn dazu zu überreden. Denn der Lausbub ist heute wirklich einige Male über seinen Schatten gesprungen. 

Er…

…ging einen Kompromiss ein und löste sich vom Kinderbecken und ging mit uns ins Familienbecken.

… schwamm zum ersten Mal im Schwimmerbecken und zwar ohne Rand in der Nähe bis über die Hälfte im Nichtschwimmerbereich (wo er aber nirgendwo stehen konnte)

… traute sich mit ins Außenbecken und tauchte dort im Wasser, wo er nicht stehen konnte nach einem Gegenstand

… vertraute mir und ging auf meinem Arm mit mir durch den Strudel und zum Massagewasserfall. 
Das ist für den Lausbub echt echt vieeel und natürlich bekam er das im Auto auch noch mal gesagt. Ich denke da sollten wir dran bleiben. Denn da winkt doch schon quasi das Seepferdchen, wenn der Lausbub so weitermacht und es wäre doch toll, wenn er das bei dem Herzensmann und mir machen könnte (also in der Zeit in der er bei uns ist). 

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